Thüringer Umweltpreis 2017

Thüringer Umweltpreis 2017

Thüringer Umweltpreis ehrt Engagement
für saubere Umwelt und intakte Natur

Der Schutz und Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen ist ausschlaggebend für eine lebenswerte Zukunft kommender Generationen. Das verlangt von unserer Gesellschaft eine Lebens- und Wirtschaftsweise, die die natürlichen Ressourcen schont und im Einklang mit dem Umwelt- und Klimaschutz steht. Es ist ermutigend zu sehen, wie viele Menschen in Thüringen sich bereits heute aus eigenem Antrieb heraus um eine saubere Umwelt, intakte Natur und effiziente Nutzung natürlicher Ressourcen bemühen. Wir brauchen dieses verantwortungsvolle Mitwirken und aktive Vorangehen in allen Lebensbereichen. Es dient letztendlich dem Gemeinwohl und hält unsere Gesellschaft zusammen. Genau dieses Engagement möchte ich mit dem Thüringer Umweltpreis öffentlich würdigen.

Der Preis macht auf beispielhafte und zur Nachahmung anregende Aktivitäten aufmerksam, die den Umweltschutzgedanken in Thüringen auf besondere Weise mit Leben erfüllen. Praktizierter Umweltschutz lebt vom Mitmachen. Die Bewerbungen und die Preisträger des Thüringer Umweltpreises 2017 zeigen, dass Umweltschutz gemeinsam gelingen kann.

Anja Siegesmund
Thüringer Ministerin für Umwelt, Energie und Naturschutz

Preisträger des
Thüringer Umweltpreises 2017

1. Preis

Evangelische Regionalgemeinde Kindelbrück

Ganzheitliches Konzept für Klima- und Umweltschutz



Die evangelische Regionalgemeinde Kindelbrück engagiert sich seit Ende der 1990er Jahre vorbildhaft für die CO2-Neutralität der Gemeinde und für die Umweltbildung. Es wurden tragfähige Konzepte für die Nutzung erneuerbarer Energien in den Kirchen und Gemeindegebäuden entwickelt. Die Projekte entsprechen dem Ansatz „global denken - regional und lokal handeln“. Leitender Gedanke ist die Umsetzung der christlichen Verpflichtung, die Schöpfung zu bewahren.

Die Regionalgemeinde Kindelbrück besteht aus den Orten Etzleben, Gorsleben, Hemleben, Sachsenburg, Kannawurf, Kindelbrück, Riethgen, Frömmstedt, Bilzingsleben, Oberbösa. Langfristig soll in der Gemeinde nur so viel Energie verbraucht werden, wie auch produziert wird. Das Ziel ist eine CO2-neutrale Regionalgemeinde.

Erneuerbare Energie wird im Kirchgemeindeverbund in erheblichen Größenordnungen selber produziert. Auf Kirchen bzw. kirchlichen Gebäuden sind bereits vier Photovoltaikanlagen installiert. Weitere sollen hinzukommen. Auch zur nachhaltigen Mobilität werden Konzepte für die Gemeinde entwickelt. Eine Tankstelle für E-Bikes mit Photovoltaiknutzung wurde 2016 bereits an der Fahrradkirche in Frömmstedt eingerichtet.

Bei Sanierungen und Investitionen in den zahlreichen Kirchengebäude kommen langlebige, energieeffiziente Technologien zum Einsatz. Im Altbau- und Denkmalbestand werden ausschließlich energiesparende und nachhaltige Baustoffe verwendet. Für einen schonenden Umgang mit der Ressource Wasser sind auf sechs Friedhöfen Regenwasserzisternen installiert worden.

Die Regionalgemeinde beteiligt sich zudem am Projekt "Lebendige Kirchtürme“, bei dem in Kirchtürmen Brutlebensräume für bedrohter Tiere wie Schleiereule, Turmfalke, Dohle und Fledermäuse gesichert oder neu angelegt werden. Die Gemeinde betreibt begleitend Bildungsarbeit zu umweltrelevanten Themen, wie z. B. ökologische Freiflächenbewirtschaftung und die jährliche Pflanzung eines „Baum des Jahres“.

2. Preis

Weimarer Wohnstätte GmbH

Nistplätze für brütende Vögel an Gebäuden



Die Weimarer Wohnstätte GmbH ist ein Musterbeispiel für gelebten Artenschutz in der Stadt. An ihrem Bestand von Mehrfamilienhäusern wurden seit 1998 ca. 900 Vogelnistplätze angelegt. Die Weimarer Wohnstätte GmbH beteiligte sich dabei an einem Projekt der Arbeitsgruppe Gebäudebrüterschutz, des Tierschutzvereins Weimar e. V. und des NABU Weimar/Apolda e. V.

Die Innovation dieses Projekts liegt darin, reguläre bauliche Sanierungen an vorhandenen Gebäuden der städtischen Infrastruktur im großen Stil für Artenschutzprojekte zu nutzen. Durch die Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Gebäudebrüterschutz, konnte auf großer Fläche neuer Lebensraum für Mauersegler, Schwalben, Spatzen, Turmfalken, Rotschwänzchen und Fledermäuse geschaffen werden. Seit 1998 wurden in Weimar insgesamt mehr als 500 Häuser mit zusätzlichen Brutplätzen versehen.

Die Weimarer Wohnstätte GmbH hat sich bei diesem Projekt herausragend engagiert und an 126 Häusern fast 900 Nistplätze für Mauersegler, Sperlinge und Nischenbrüter geschaffen. Auch Schulen und Gebäude in Plattenbauweise wurden für den Artenschutz hergerichtet. Die Kosten für die Nistkästen und den Einbau hat die Weimarer Wohnstätte GmbH selbst übernommen.

Die Unterstützung der Weimarer Wohnstätte GmbH für dieses Projekt ist Anregung zur Nachahmung für andere Hauseigentümer, sich an Initiativen für den Artenschutz zu beteiligen. Als Best-Practice-Beispiel soll es weiteren Artenhilfsmaßnahmen an bestehenden Objekten verschiedenster Eigentümer in urbanen Räumen den Weg ebnen.



Save Nature Group

Aufbau eines Netzwerkes für den Erhalt und die Sicherung von Naturräumen



Die Save Nature Group ist ein Netzwerk von ca. 50 freiwilligen Helfern, die sich gemeinsam für den Erhalt von Naturräumen, insbesondere Streuobstwiesen, einsetzen. Die Entwicklung dieser Initiative ist ein gutes Beispiel für breites bürgerliches Engagement für den Natur- und Umweltschutz. Die Grundidee ist eine Verbindung von Naturschutz mit wirtschaftlichem Handeln, unterstützt durch ein breites Netzwerk von örtlichen Partnern und Akteuren.

Ziel der Initiative war von Beginn an, den Natur- und Umweltschutzgedanken mit Anbau und Verkauf regionaler Produkte zu verbinden. Mit den finanziellen Einnahmen sollen Erhaltung, Pflege, und Neuanlage von Naturschutzflächen mit möglichst hohem Eigenanteil finanziert werden. Das Netzwerk arbeitet mit zahlreichen örtlichen Partnern zusammen. Regionalität, Gemeinnützigkeit, Transparenz und Wirtschaftlichkeit sind Leitlinien des Projekts.

Die Save Nature Group begann 2016 verschiedene Eisenacher Streuobstflächen zur Herstellung von Apfelsaft zu beernten. Die Initiative produzierte dabei ca. 10.000 Liter Saft, die vermarktet wurden. Das Konzept soll auf andere sich bisher selbst überlassene Streuobstflächen Thüringens ausgeweitet werden. Der Erlös aus dem Verkauf des Saftes wird nachfolgend in Pflegemaßnahmen dieser Streuobstwiesen oder in andere Umweltschutzprojekte, wie z. B. einen Naturlehrpfad in Leutenberg, investiert.

Die Save Nature Group wirbt u. a. auf Märkten und Veranstaltungen für die Idee des Projektes. In Bildungsveranstaltungen an Schulen wird für den Wert heimischer Streuobstwiesen und regionaler Lebensmittel sensibilisiert. Ziel ist es, ein Bewusstsein für die Erhaltung und Nutzung alter Streuobstbestände zu schaffen und eine Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Erzeugnissen aus der Region mit kurzen Transportwegen zu generieren. Der Schutz von natürlichen Lebensräumen und ein gesteigerter Erholungswert sind Synergien dieses nachhaltigen wirtschaftlichen Handelns. Ein aktuelles Projekt ist eine ca. 6 Hektar große Streuobstwiese an der Hofferbertaue bei Eisenach mit ca. 400 Bäumen. Darunter sind viele alte Obstsorten.

Bei Fragen zum THÜRINGER UMWELTPREIS 2017 und zum Bewerbungsverfahren wenden Sie sich bitte an:

Horst Michel
Telefon: 0361 5739 11 415
Telefax: 0361 5739 11 402
E-Mail: horst.michel@tmuen.thueringen.de

Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz
Beethovenstraße 3
99096 Erfurt


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